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Männer sind von gestern

„Male bashing“ hat Konjunktur. Männer sind für alles Schlechte dieser Welt verantwortlich, für Kriminalität, Terrorismus und Klimakatastrophe. Das geht im Kindes- und Jugendalter los: Schulversager sind heute fast ausschließlich männlich; die Suizidrate bei Jungen ist sechsmal höher als bei Mädchen gleichen Alters. Amerikanische Mütter haben in ihrem Manifest „How male bashing is killing our sons“ eindringlich beschrieben, wie die ständige Herabsetzung männlichen Verhaltens ihre Söhne lähme. Ich selbst kenne etliche Arbeitgeber, die darüber klagen, jungen Männern fehle es an Biss: „Einige von denen kippen schon beim Einstellungsgespräch in den Burnout.“

Das kann nicht verwundern: Wurden bei Männern früher Mut, Leistungsstreben und Autonomie anerkannt, heißen heute dieselben Eigenschaften Aggressivität, Karrieregeilheit und Unnahbarkeit. Die dominante personenzentrische Perspektive schiebt dabei gerne ausgeprägte Persönlichkeitseigenschaften ins Extreme und spricht dann von Narzissten, Gefühlsblinden, Machiavellisten, Manisch-Depressiven oder Passiv-Aggressiven - die man sich alle männlich vorstellt. Ein Personalchef eines deutschen Maschinenbauers auf meine Frage, wieso in seinen Förderprogrammen so wenig Frauen seien: „Frauen braucht man nicht zu trainieren, denen sind die Führungseigenschaften schon in die Wiege gelegt.“

Deshalb wird, schaut man genau hin, Männern auf Führungsseminaren seit vielen Jahren ein weiblicher Führungsstil eingebläut: Empathisch soll man(n) sein, nahbar, friedfertig, niemanden in die Defensive drängen, negative Gefühle kontrollieren, indirekt formulieren, Fehler zugeben, ein Mediator sein. Emotionale Intelligenz ist das Stichwort. Der Chef  wird zum Mitarbeiter-Versteher. Nicht „durchsetzen“ will er mehr, sondern sich „hineinversetzen“. Den zielorientierten Tunnelblick hat er gegen den sozialen Breitbandblick eingetauscht, er ist einfühlsam oder guckt wenigstens so.

Man übertreibt nicht, wenn man feststellt: Industriekapitalistische Gründerfiguren, die sich den Teufel scherten um neurasthenische Befindlichkeiten, hätten heute keine Chance. Wortkarge Männer, selbstsichere, durchsetzungsstarke, entscheidungsschnelle, emotional ausdruckslose Männer, die nicht gerne über sich selbst nachdenken und noch viel weniger an einem Feedback interessiert sind, die hält man für unzeitgemäß. Man kann es zuspitzen: Unternehmen sind heute Veranstaltungen zur Unterdrückung unerwünschten Männlichkeitsverhaltens.

Natürlich widerstrebt es jedem intelligenten Menschen, in stereotyper Form von „männlich“ und „weiblich“ zu sprechen. Und Macho-Gehabe braucht niemand mehr. Aber ich bezweifele, dass die Feminisierung der Männer die Unternehmen nach vorne bringt. Viele „Förder“-Maßnahmen untergraben das Selbstbewusstsein der Männer, begünstigen anpasserisches Verhalten und mangelnde Entschiedenheit. Es ist völlig aus der Luft gegriffen, dass als „weiblich“ kategorisierte Verhaltensweisen erfolgreicher machen. Auch wenn man das im gegenwärtigen Meinungsklima kaum mehr nüchtern kritisieren darf: „Weiblich“ und „gut“ ist eine semantische Kuppelei, die betriebswirtschaftlich unbewiesen ist.   

 

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