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Schweizer Arbeitgeber


Probezeit - ernst genommen


Schweizer Arbeitgeber 04/2011

 

Was wir von PISA gelernt haben: Der Anfang ist das Entscheidende. Das gilt auch für den Erfolg von Unternehmen – er steht und fällt mit der Auswahl der richtigen Mitarbeiter. Man ist gut beraten, Zeit und Geld nicht Jahre nach der Einstellung in eine mehr oder weniger leerlaufende Reparaturintelligenz zu investieren, sondern an den Pforten des Unternehmens zu platzieren. Kurzum: Personalauswahl ist die wichtigste Managemententscheidung überhaupt. Es gibt aber nur wenige erfolgsrelevante Aufgaben im Unternehmen, die derart unprofessionell gehandhabt werden und in denen mit weniger Systematik und Expertise vergleichbare Risiken eingegangen werden. Bleibt die Frage: Wie denn besser?

Über die personaldiagnostische Leistungsfähigkeit der Auswahlmethoden kann man Glaubenskämpfe führen. Aber einerlei, welche Vorlieben Sie haben – das ist die wichtigste personaldiagnostische Situation: die Probezeit! Eine seriös gehandhabte Probezeit ist meiner Erfahrung nach allen anderen Methoden prognostisch hoch überlegen. Seriös gehandhabt heißt:  (1) ernsthaft vorbereitet, (2) intensiv begleitet und (3) konsequent ausgewertet.

Es gibt aber nur erschreckend wenige Führungskräfte, die die Probezeit eines neuen Mitarbeiters verantwortungsvoll nutzen. Ist der neue Mitarbeiter erst einmal am Arbeitsplatz erschienen, dann geht man davon aus, dass er schon „irgendwie“ der Richtige ist und sich vernünftig einarbeitet. Und dann ist das Ende der Probezeit erreicht, das wird kaum noch wahrgenommen, „in so kurzer Zeit“ könne man ohnehin kaum Aussagen machen; fast ist man überrascht, wie doch die Zeit vergeht! Und schwupp, ist der neue Mitarbeiter „drin“.

Das mentale Problem: Die Probezeit wird als Einstellungsverfahren gar nicht wahrgenommen! Sie gilt allenfalls als arbeitsrechtlich relevanter Wurmfortsatz des Einstellungsprozesses, welcher vor der Probezeit abgeschlossen ist und nur in besonders dramatischen Fällen zur Revision der zuvor getroffenen Entscheidung auffordert. Und dann wird dem Einstellenden vorgeworfen, er habe sich geirrt und den Falschen ausgesucht. Wer will das auf sich sitzen lassen? Also ignoriert man die Probezeit.

Dagegen möchte ich zur Geltung bringen: Eingestellt wird nach der Probezeit! Oder eben nicht. Damit entscheiden Sie über die Zukunft des Unternehmens.

Warum? Welche Vorteile hat die Probezeit gegenüber anderen Verfahren?

Die Probezeit

Man kann die Vorteile aber auch in einem Punkt konzentrieren: Sie haben als Beobachter einfach länger Zeit! Es ist hilfreich, sein Urteil möglichst lange offenzuhalten, es kritisch zu befragen, in unterschiedlichen Beobachtungssituationen zu prüfen, es sogar zu widerlegen versuchen. Genau das leistet die Probezeit. Sie unterläuft sowohl die potenzielle Fähigkeit des Bewerbers, sich in der kurzen Zeit des Interviews zu verstellen, als auch die allzu schnelle Bereitschaft des Beobachters, sich ein abschließendes Urteil zu bilden.

Wer da sagt: „Wenn wir derart offensiv mit der Probezeit umgehen, werden uns die besten Bewerber abspringen“,  der glaubt – erstens - immer noch, dass es „die Besten“ gibt; der verschliesst – zweitens - die Augen vor der Tatsache, dass der Bewerber dann vielleicht einfach nicht zum Unternehmen passt, wenn er sich nicht auf eine ernst genommene Probezeit einlässt; und verkauft – drittens - das Erstgeburtsrecht einer nachhaltig ertragreichen Zukunft  gegen das Linsengericht des schnellen Einstellungserfolges.

 

 

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